Eva Heiming und Park Schönfeld - eine Laudatio zum 85. Geburtstag

Am 27. 11.2015 saßen wir in Kassel beim Abendessen: Eva Heiming, Chefärztin der Kinderchirurgie in Park Schönfeld von 1975 bis 1995, Brunhilde Fabricius, langjährige Geschäftsführerin der Klinik und der Chronist. 10 Tage später feierte Dr. Eva Heiming ihren 85. Geburtstag. Es gab viel zu reden, vornehmlich über die Geschichte der Kinderchirurgie im Allgemeinen und über die Abteilung in Park Schönfeld im Besonderen. Dabei tat Eva Heiming das, was sie ihr ganzes bisheriges Leben getan, besser gesagt, nicht getan hatte: sie stellte sich nicht in den Vordergrund. Und doch hat sie für die Kinderchirurgie eine beispielhafte Lebensleistung vollbracht. Kassel hat dies erkannt. Der Oberbürgermeister ehrte sie 1995 durch Verleihung der Ehrennadel der Stadt.

Die Kinderchirurgie hatte Frau Heiming bei Prof. Helbig in Köln erlernt. Sie erhielt eine breit gefächerte Ausbildung. Im Kinderkrankenhaus Park Schönfeld, wo es bereits seit 1928 eine kinderchirurgische belegärztliche Tätigkeit gab, wollte man 1975 eine richtige Abteilung.

Man lud drei Kandidatinnen bzw. Kandidaten ein und entschied sich für Eva Heiming. Der Träger, der Deutsche Evangelische Frauenbund, hatte es nicht zu bereuen. Frau Dr. Heiming und die Kinderchirurgie in Park Schönfeld, sie waren bald weit über Kassel hinaus eine bekannte Größe. Das fiel Frau Dr. Heiming nicht in den Schoß. Regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen, Mitarbeit in verschiedenen Gremien, u. a. im Vorstand der ASBH, Präsenz in der Presse, „Tingeln über die Dörfer“ und Pflege des breiten Spektrums von Köln waren das Rezept. Entsprechend ihrer Ausbildung wurden Früh- und Neugeborenenchirurgie, Kinderurologie, Spina bifida- und Hydrozephalusbehandlung und die Versorgung von Schwerbrandverletzten besondere Schwerpunkte. Sie hat die Klinik stetig ausgebaut und ihr Wissen als mütterliche, aber auch konsequente Chefin weiter gegeben. Dabei empfand sie es als besonderes Glück, über 18 Jahre in Prof. Lüders einen loyalen und fairen pädiatrischen Partner zu haben. Das Gleiche galt für Frau Fabricius, die als Vorsitzende des Deutschen Evangelischen Frauenbundes und dank weit vernetzter Beziehungen stets die notwendigen Gelder heranzuschaffen wusste. Die klinische Welt war, so darf man folgern, (noch) in Ordnung. Die jahrelange Betreuung der einmal behandelten Kinder war selbstverständlich.

Park Schönfeld war Ihre Heimat, aber sie hat von da auch nach außen gewirkt. Nicht nur durch Publikationen und Kongressbeiträge, nicht nur durch engagiertes Mitarbeiten in der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie in Kommissionen und im Vorstand: als Botschafterin der deutschen Kinderchirurgie hat sie während ihrer beruflichen Jahre und danach gewirkt. Sie wurde zu Workshops nach Saudi-Arabien und Russland eingeladen und sie hat in Tansania und anderen afrikanischen Ländern Kinder operiert. Sie hat die Kinderchirurgie in der Landesärztekammer Hessen vertreten und hat im Vorstand des Deutschen Ärztinnenbundes Pionierarbeit geleistet. Jahrelang konnte sie sich nichts Anderes vornehmen, da sie Tag für Tag und Nacht für Nacht im Dienst war. Folge war eine außergewöhnliche operative Erfahrung. Sie operierte „ flink, nie planlos, um methodische Varianten nicht verlegen, einfach brillant“, wie Walter Welte schrieb, der später die Kinderchirurgie in der Cnopfschen Kinderklinik leitete und zuvor in Köln 10 Jahre lang ihr Kollege gewesen war.

Wie ging es in Park Schönfeld weiter, nachdem Frau Heiming 1995 in den Ruhestand getreten war? 2003 wurden Kinderklinik und Kinderchirurgie verwaltungsmäßig in das Klinikum Kassel integriert. 2009 noch feierte man das 100-jährige Bestehen von Park Schönfeld und zog 2011 aus dem ehrwürdigen Haus in das Klinikum Kassel in der Mönchebergstraße. Das war längst Peter Illing, Nach-nach-folger von Frau Heiming. der Leiter. Er war, aus Klagenfurt kommend, im Jahr 2000 Rasim Tekin gefolgt.

Das Abendessen, mit dem dieser Bericht begann, fand am Vorabend des 36. Kinderchirurgisch-pädiatrischen Kolloquiums in Kassel statt. Es war gleichzeitig das 3. Felix Blumenfeld Symposium.

Felix Blumenfeld war Jude. Er wurde 1933 als Leiter der Kinderklinik von den Nationalsozialisten abgesetzt, er wurde schikaniert und gequält. Er versuchte, sich durch Schrottsammeln über Wasser zu halten. Er sah keinen Ausweg und nahm sich am 25.01.1942 das Leben. Auch das gehört zur Geschichte von Park Schönfeld.

Peter Illing hat zu Beginn des Symposiums die Verdienste von Frau Dr. Heiming gewürdigt und die besten Wünsche der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik ausgesprochen. Alle haben sich gefreut, die Frau, die die Kinderchirurgische Abteilung aufgebaut und über 20 Jahre geführt hatte, in ihrer Mitte zu haben.

 

Frank Höpner

 

  • Welte,W. Eva Heiming-Eine Ära in Kassel, Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie, September 1996 Heft 2, S.3
  • Höpner F. Eva Heiming und das Kinderkrankenhaus Park Schönfeld ,Eur J Pediatr Surg 2012;22: 267-268



 

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