In memoriam Prof. Dr. med. habil. Wolfram Tischer

Tischer

Am 7.12.2015 verstarb Wolfram Tischer im 86. Lebensjahr. Die kinderchirurgische Gemeinschaft trauert, unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

Sein Name ist eng mit der Entwicklung unseres Fachgebietes an den Universitäten in Leipzig und Greifswald verbunden.

In Zittau aufgewachsen, studierte er Medizin von 1949 bis 1954 in Leipzig. Er erhielt seine kinderchirurgische Ausbildung bei Fritz Meißner an der Leipziger Klinik, promovierte zu Lindau-Tumoren und habilitierte sich 1963 über das Thema „Diagnostik und Therapie des Hydrozephalus“. Als Schüler von Meißner wurde er 1964 zum Hochschuldozenten berufen.

1969 folgte Tischer einem Ruf nach Greifswald und übernahm den Lehrstuhl für Kinderchirurgie. Die Greifswalder Klinik profilierte sich unter seiner Leitung und errang hohes Ansehen über die Grenzen hinaus. Seiner Initiative und Aktivität ist es zu verdanken, dass die Urodynamik als Standardmethode einen festen Platz in der urologischen Funktionsdiagnostik des Kindesalters eingenommen hat. In der Forschung setzte er Impulse zu Fragen von neurogenen Blasenstörungen, anorektalen Fehlbildungen, Blasenekstrophien sowie kongenitalen intestinalen Aganglionosen. Immer galt sein wissenschaftliches Interesse vorrangig Kindern mit Myelodysplasie und Hydrozephalus.

Er war langjähriger Dekan der Medizinischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.

1986 kehrte Tischer an die Stätte seiner Ausbildung zurück und wurde Direktor der Leipziger Klinik sowie Leiter des Kinderzentrums bis zu seiner Emeritierung 1995. Er hat erfolgreich die Leipziger Tradition fortgeführt. Das Profil und Methodenspektrum, insbesondere im technischen Bereich, wurden weiter entwickelt. Die Forschung konzentrierte sich auf Arbeitsgebiete in der Neugeborenen- und Säuglingschirurgie, der Thoraxchirurgie sowie der operativen Urologie. Im Mittelpunkt standen hier pathophysiologische Auswirkungen operativer Eingriffe auf den wachsenden Organismus in der perioperativen Phase und die Optimierung intensivtherapeutischer Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Überlebenschancen.

Tischer war Mitglied zahlreicher Gremien und Ehrenmitglied der Ungarischen sowie Polnischen Gesellschaft für Kinderchirurgie. Dank gilt ihm als 1.Vorsitzender der Sektion Kinderchirurgie in den Jahren 1974 bis1982 und seiner Mitarbeit im Redaktionskollegium des „Zentralblattes für Chirurgie“. Auch sein persönlicher Kontakt zur studierenden Jugend und sein praktisch-orientierter Unterricht müssen hier genannt werden. Er war ein begeisterter und begeisternder Hochschullehrer. Seine wissenschaftliche Tätigkeit dokumentieren mehr als 600 Vorträge, 200 Publikationen und 40 Buchbeiträge. Insbesondere hervorzuheben ist das Buch „Kinderchirurgie für die klinische Praxis“ gemeinsam mit Kurt Gdanietz. Unter seiner Leitung an der Leipziger Klinik wurden 18 Fachärzte für Kinderchirurgie ausgebildet, 15 Promotionen und 5 Habilitationen abgeschlossen.

Wie kann man das zurückliegende Arbeitsleben von Wolfram Tischer charakterisieren? Es zeichnete sich durch seine Kompetenz, Menschlichkeit, Bescheidenheit und Kollegialität aus. Er hat sein berufliches Leben und das anderer, die ihn ein Stück des Weges begleiten durften, mit Sinn erfüllt. Sein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für das chirurgisch kranke Kind war seine Lebensmaxime, die in den allen bekannten Fragen gipfelte: „Gibt’s was Neues? Wie ist die Lage?“.

Nach seiner Emeritierung wurde er mit seiner Frau Ingrid in Leipzig nicht wieder ansässig. Es zog ihn zurück nach Greifswald an den Bodden und die Ostseeküste. Hier pflegte er Kontakte zu seinen Schülern, ehemaligen Mitarbeitern und Kollegen.

Jetzt hat sich sein Lebenskreis vollendet, Wolfram Tischer wird uns allen unvergessen bleiben.

J. Bennek (Leipzig)
K. Gdanietz (Berlin)

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