Kranke Kinder bei der Pflegeausbildungsreform benachteiligt
Kinderchirurgen fordern Mitsprache bei der Gestaltung

Berlin, Februar 2016 – Heute stellt Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Bevollmächtigter der Bundesregierung für Patienten und Pflege, die Kampagne „Generalistik jetzt" der Öffentlichkeit vor. Darin wirbt er um Unterstützung für das neue Pflegeberufegesetz. Gemeinsam mit den anderen Fachgesellschaften der Kindermedizin weist die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) erneut darauf hin, dass das Pflegeberufegesetz in seiner aktuell vorliegenden Form eine drastische Verschlechterung der Kinderkrankenpflege nach sich ziehen wird. Denn Kinderkrankenpflege sei ein anspruchsvoller Beruf mit hohen spezifischen Anforderungen, die sich in einer entsprechend spezialisierten Ausbildung widerspiegeln müssten, so die DGKCH.

Nach dem Entwurf des Pflegeberufegesetzes werden die bisher separaten Ausbildungen zur Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege zukünftig in einer generalistischen dreijährigen Pflegeausbildung zusammengefasst und vereinheitlicht. Erst nach der Grundausbildung folgt dann eine fachspezifische Ausbildung. Das Gesetz soll in diesem Jahr in erster Stufe in Kraft treten.

Die DGKCH kritisiert dieses Vorhaben: „Die Pflege von Kindern erfordert eine spezielle Ausbildung", stellt Professor Dr. Bernd Tillig, Präsident der DGKCH, klar. Gerade die Kinderkrankenpflege sei sehr komplex und setze viel spezifisches Fachwissen sowohl in der Breite wie auch in der Tiefe voraus: „Pflegende tragen gleichermaßen Verantwortung für 500 Gramm leichte Frühgeborene wie für Säuglinge bis hin zu Jugendlichen. Dies setzt fundierte Kenntnisse über Neonatologie, Chirurgie, Onkologie und Pädiatrie in allen Entwicklungsstufen voraus." Gleichzeitig gelte es, eine altersgerechte Entwicklung der Patienten zu fördern und sie während ihrer Genesung adäquat psychosozial zu unterstützen, fügt er hinzu. „Die Erfolge der Kinderchirurgie sind nur mit speziell geschulten Teams der Kinderkrankenpflege möglich", fasst er zusammen.

Darüber hinaus gibt er zu bedenken, dass die Pflegeausbildung durch die Reform an Attraktivität verlieren könnte: „Junge Menschen entscheiden sich oft gezielt dafür, mit Kindern zu arbeiten – und nicht vorrangig dazu, Pflegende/r zu sein." Für diese hoch motivierten Kandidaten sei eine generalisierte Pflegeausbildung möglicherweise nicht mehr attraktiv.

Die DGKCH setzt sich gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und weiteren Verbänden, die sich der Kindergesundheit verschrieben haben, für einen Kompromissvorschlag ein. Dieser soll das Berufsbild der Kinderkrankenpflege im Rahmen der geplanten generalistischen Ausbildung sichern. Dieser Kompromissvorschlag enthält vier Punkte für den Erhalt von ausreichend praktischen und theoretischen Inhalten der Kinderkrankenpflege während der Ausbildung sowie den Erhalt der Berufsbezeichnung. „Im Interesse unserer jungen Patienten hoffen wir dringend auf Gehör unserer fachlichen Argumente", sagt Tillig, der Chefarzt der Kinderchirurgie am Klinikum Vivantes in Berlin ist.

 


Weitere Information:

http://www.dgkch.de/images/dgkch/Dokumente_oeffentlich/Positionspapiere/1510_Positionspapier_Kinderkrankenpflege.pdf


Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie

Gegründet im Jahr 1963, schafft die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) bis heute Grundlagen für eine bestmögliche kinderchirurgische Versorgung in Deutschland. Dazu gehören Neugeborenenchirurgie, allgemeine Kinderchirurgie und Kindertraumatologie ebenso wie Kinderurologie. Die DGKCH vertritt das Fach in allen wissenschaftlichen, fachlichen und beruflichen Belangen. Derzeit praktizieren hierzulande Fachärzte für Kinderchirurgie in mehr als 80 kinderchirurgischen Kliniken, Abteilungen und als Niedergelassene. Kinderchirurgie gehört in die Hände von Kinderchirurgen. Denn ihre Patienten sind keine kleinen Erwachsenen.

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