Prof. Dr. Dick Tibboel wird Ehrenmitglied der DGKCH 2017

Prof. Dr. Dick Tibboel, Univ.-Prof. für Pädiatrie der Erasmus-Universität in Rotterdam (NL), Direktor der Kinderintensivstation und Leiter der Forschungsabteilung des Sophia Kinderkrankenhauses.

Prof. Dr. Dick Tibboel wurde am 29. Mai 1952 in Haarlem (NL) geboren, wo er seine Kinder- und Jugendzeit verbrachte und sein Abitur absolvierte. Er studierte Medizin an der VU (Freie Universität) Amsterdam. Schon früh stand fest, dass er die Arbeit an Kindern gerne mit seiner Forschung verbinden möchte. So entschied er sich für seine Promotion (VU Amsterdam, cum laude) zur Ätiologie und Pathogenese der Atresien. Ab 1979 wechselte er an das Sophia Kinderkrankenhaus der Erasmus-Universität um seine Forschung fortzusetzen. 1984 vollendete er den Facharzt für Pädiatrie. Durch die Kombination von Forschung und Klinik interessierte sich Dick Tibboel stets mehr für die pädiatrische und intensivmedizinische Behandlung der angeborenen Fehlbildungen. Gerade die Behandlung der angeborenen Zwerchfellhernien, damals noch mit erheblicher Mortalität vergesellschaftet, gab den Impuls zur Optimierung der Behandlung und zum Aufbau weiterer Forschung. Entscheidender Promotor war Prof. Dr. Jan Molenaar, damaliger Direktor der Kinderchirurgie und weltweit geschätzter und anerkannter Forscher und Kliniker – im Übrigen ebenfalls Ehrenmitglied der DGKCH. Es war ein kluger Schachzug von Prof. Molenaar, Dick Tibboel als Leiter der Kinderchirurgischen Intensivstation im Sophia einzusetzen.

Aufgrund seiner stringenten Forschungstätigkeit wurde er 1993 als Stiftungs-Professor der Sophia Foundation für Experimentelle Kinderchirurgie berufen. Bis dahin hatte er sich im Hühnerembryonenmodell auch zellbiologisch der Pathogenese von Atresien, Gastroschisis und Aganglionose gewidmet. Das führte u. a. zu einer frühen intensiven Zusammenarbeit u. a. mit Prof. Dr. D. Kluth und fand weltweit viele Nachahmer. Das sog. Nitrofen-Modell in der Ratte, wodurch sowohl Zwerchfellhernien (CDH = congenital diaphragmatic hernia) als auch die in der Klinik so gefürchtete Lungenhypoplasie und pulmonale Hypertonie entstanden, war ein weltweiter Durchbruch. Da Prof. Tibboel jedoch bemerken musste, dass auch die experimentelle Forschung nicht jede Frage beantworten lässt, setzte er sich schon sehr früh für die Entwicklung von strukturierten Nachsorgeprogramme ein, die klinischen Unzulänglichkeiten in der pränatalen Diagnostik, intensivmedizinischen und chirurgischen Behandlung zu Tage führten und immer deutlicher die Langzeitfolgen dieser Fehlbildungen erkennen ließen. Stets wieder suchte Dick Tibboel den Dialog mit anerkannten Experten aus Europa und Übersee, um gerade die Behandlung zu standardisieren. Daraus entstand das CDH-EURO-Consortium. Spezialisten mit größerer Erfahrung in der Behandlung der CDH schlossen sich zusammen, um neue internationale Richtlinien für die neonatale Behandlung zu erstellen (2011), die 2016 überarbeitet wurden. Darüber hinaus konzentrierte sich Prof. Tibboel auf klinische und molekulargenetische Studien, welche den Stellenwert der Retinolsäuren-Signalweg in der Entstehung der CDH nachwies.

Als einer der ersten entwickelte er für die großen Fehlbildungen strukturierte Nachsorgeprogramme, wie für das chronische Darmversagen. 2003 entstand ein interdisziplinäres Team, das klinische Patientenversorgung mit translationaler Forschung in der intestinalen Resorption und Ernährungsmöglichkeiten kombinierte.

Aufgrund seiner regen klinischen und Forschungs-Aktivität wurde er 2005 als Universitätsprofessor (Research Intensive Care and Childhood) berufen. 2008 wurde er Direktor der Kinderintensivstation von Sophia und 2012 als „research director" eingestellt. 2002 erhielt er den Edgar Doncker Preis von der Niederländischen Pädiatrischen Gesellschaft für seine herausragenden Beiträge auf dem Gebiet der großen angeborenen Fehlbildungen. Seine herausragenden Forschungsergebnisse gehen ebenfalls aus über 100 PhD-Thesen hervor, die unter seiner Leitung entstanden und die Publikation von über 610 internationalen, peer-reviewed Manuskripten. Der 100. PhD-thesis wurde international (auch Deutsch) begutachtet und mit summa cum laude abgeschlossen. Sein Hirsch-Index beträgt 52 (ISI).

Prof. Dick Tibboel bleibt dabei sehr menschlich und offen für sein Gegenüber. Er ist immer ein interessierter Zuhörer und guter Kritiker, der stets das Beste aus einem zu kitzeln versucht. Wie viele Niederländer liebt er Fußball und sein Lieblingsverein ist Ajax Amsterdam. Das kann manchmal dazu führen, dass an Tagen mit entscheidenden Spielen andere Veranstaltungen verlegt werden müssen. Nach 25 erfolgreichen PhD-Abschlüssen ist es in Rotterdam üblich, mit den Promovendi in einem Schloss essen zu gehen. Das hat Prof. Tibboel schon 4-mal absolviert und die Prof. emeriti der Kinderchirurgie, vor allem sein „geistiger Vater" Prof. Jan Molenaar, sind immer anwesend und halten zu seinen Erfolgen eine Rede. Das erste Dinner in 2004 musste allerdings wegen des Spiels Niederlande-Portugal verlegt werden.

Prof. Tibboel ist auch sehr interessiert in Kunst, was sich auch an seinen Vorträgen sehr bemerkbar macht: Gerne lässt er zur Illustration berühmte bzw. besondere Malereien sprechen. Auf der letzten Tagung der EAPS (European Academy of Paediatric Societies) war sein Vortrag "Today's Challenges in Building an Academic Career in Paediatrics" komplett auf der Basis von Gemälden aufgebaut.

Prof. Dr. med. Lucas Wessel
Besitzer in Leitender Stellung universätitär der DGKCH
Kongresspräsident der DGKCH 2018

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